“Struwwelpeter_RELOADED”, Theatrium 2010
Heiligte nicht der Zweck die Mittel, könnte man die vier Schauspieler wegen ihrer fiesen Frisuren bemitleiden. Säuberlich in der Mitte gescheitelt und akkurat pomadiert, kleben die Haare an den Seiten ihrer Köpfe. Bei den Herren stecken die karierten Hemden straff in engen kurzen Hosen, die Damen tragen züchtige Blusen mit weißem Kragen. Alles an ihnen strahlt Disziplin aus. Doch der Schein trügt.
Aberwitzig und auf kuriose Weise nehmen sich Almut Koch, Viola Kowski, Georg Herberger und Falko Köpp all der Anti-Helden aus dem liebsten Horror-Bilderbuch der Deutschen an. In episodenhaften Sequenzen erinnern sie an die “Lustigen Geschichten und drolligen Bilder”, die Heinrich Hoffmann seinem dreijährigen Sohn zu Weihnachten 1844 schenkte. Nur dass der “arge Wüterich” Friedrich heute keine Tiere mehr quält, sondern lieber Hitler spielt und mit dem Spielzeuggewehr rumballert.
Über interessante Regieideen von Ricardo Endt entsteht eine skurrile Collage aus den Klassikern von damals, den Problemen der Zeit und persönlichen Erfahrungen der Schauspieler. So wird Kaspars Suppe zum unterhaltsamen Symbol der elterlichen Überfürsorge – er will weder sie noch die fair gehandelten Gummibärchen essen und erst recht nicht am Eltern-Kind-Yoga teilnehmen oder voltigieren.
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(Theresa Wiedemann in der LVZ, 28./29.8.2010)
[...] Auszüge aus der Kritik in der Leipziger Volkszeitung findet ihr hier [...]